Western Normality oder die geschluckte Kröte

Don’t grow up, it’s a trap! Was können wir uns davon versprechen, der Frage nachzugehen, ob wir diesen Ratschlag zur Wahrung unserer arglosen Unschuld oder Unbeflecktheit beherzigen können; keine eigennützigen Hintergedanken oder Nebenabsichten zu hegen, sozusagen nie mit verdeckten Karten zu spielen? Nur als ein untrügliches Indiz für unsere Erinnerungsbedürftigkeit können wir der Empfehlung zur Wahrung unserer unschuldigen oder unbefleckten Unvoreingenommenheit etwas abgewinnen. Alles, was nicht in Rechnung stellt, dass wir darauf angewiesen sind, immer wieder daran erinnert zu werden, worauf wir uns im Leben nicht stützen können, liefert uns der Infantilität aus. Was so viel heißt wie: Es wird immer welche geben, die sich daran halten werden, dass man ihnen nicht in die Karten schaut. Unvoreingenommenheit oder Vorurteilslosigkeit als ein Zeichen von geistiger Empfänglichkeit einen Wert beizulegen, machte insofern die Unmöglichkeit, daran erinnert werden zu können, wann wir davon ausgehen können, im Bewusstsein unserer geistigen Ungezügeltheit mündig geworden zu sein, zu einer Tugend. Unbescholtenheit ist ein Zustand der Mündigkeit und Mündigkeit nicht der der Autarkie. „Wo kein Defizit ist, braucht’s auch kein Bewusstsein.“ Das ist ein Trugschluss – denn der Mensch verdankt seine geistige Reife vielmehr der Möglichkeit, nicht darauf einzugehen, daran erinnert worden zu sein, worauf es eben nicht ankommt. Doch was ist Mündigkeit? Mündigkeit ist die Befreiung des Menschen von der Gängelung durch das, was er wähnt, den Erhalt seines Lebens zu schulden. Nicht die Gier oder seine Unersättlichkeit ist dem Menschen sein Verhängnis, seinen Hals nicht voll kriegen zu können, sondern diejenigen, bei denen er seine Füße unter dem Tische zu haben glaubt. Wer sich Make Capitalism History aufs Panier schreibt, macht den Kapitalismus zu einer historischen Größe, unterschlägt dabei, dass der ganze Kunstgriff des Kapitalismus darin besteht, die der Quantifizierbarkeit entgegengebrachte Geringschätzung um ihrer gesellschaftlich relevanten historischen Größe vollauf betrogen zu haben. How much is enough? Ist das die Frage derer, die sich dessen bewusst sind, dass „weniger“ oder „mehr“ nie als ein Argument herzuhalten vermag, falls weniger oder mehr nicht zugleich auf die Berücksichtigung oder Nicht-Berücksichtigung dessen hinausläuft, worauf sich der Mensch eben nicht stützen kann? Sonst diente eine „Erinnerungskultur“ als ein fester Bestandteil von Vorsichtsmaßregeln nicht jenen, die es sich unter keinen Umständen das Privileg nehmen lassen wollen, dass sie die Karten austeilen.

 

Dass es in den Sprachen der europäischen Kultursphäre möglich ist, jemanden der Voreingenommenheit zu zeihen oder sich seiner Unbefangenheit zu brüsten, kommt nicht von ungefähr. Europa verdankt die wahren Früchte seines Effektivitätsprinzips erst der säuberlichen Getrennthaltung mittels wissenschaftlicher Kategorien von voneinander nicht Trennbarem; dessen, was uns zur Rechtfertigung dient, von dem, was uns als Überzeugung einnimmt – und nach einer vielzitierten griffigen Wittgenstein-Sentenz aus dem Jahre 1918 ist das auf der einen Seite das, „wovon man sprechen kann“, auf der anderen das, „worüber man schweigen muss“. Hieß der von der Aufklärung zur Parole erhobene Begriff der „Mündigkeit“, dass der auf dem Menschen lastende Druck von ihm genommen wurde, um ihn, wenn nicht entscheidungsfähiger oder -freudiger zu machen, so doch darüber in Kenntnis zu setzen, was es ist, das dem Menschen freisteht, zu tun, ungeachtet dessen, ob er es tut oder nicht? Nein. Denn das Einzige, was dem Menschen freisteht, zu tun, ist, sich dafür – oder auch dagegen – zu entscheiden, sich durch nichts, was der Rechtfertigung bedarf, überzeugen zu lassen. Der Westen, die „Randerscheinung Europa“, hat, um aus dem Schatten seiner Existenz als ein Randphänomen herauszutreten, derart Einflüsse zu mobilisieren gewusst, dass er nicht drum herumkam, dies als eine Befreiung von der Fremdbestimmung und -verantwortung zu lancieren. Das trug den Namen Aufklärung. Nicht umsonst kam die Idee der Aufklärung in einem Jahrhundert auf, in dem man nachgerade von der Zivilisation mit einem bestimmten Artikel zu sprechen anfing – und zwar ausgehend von Frankreich. Hieß Selbstbestimmung doch, dass das, was Zivilisation genannt wurde, inzwischen seine Fähigkeit zur Propaganda perfektioniert hatte; und Eigenverantwortung, dass niemandem die Möglichkeit gegeben sein sollte, sich vor den Launen dieser Propaganda hinter irgendwelchen Institutionen in Sicherheit zu wiegen. Zivilisation – das ist nämlich das, was, angesichts der Unhaltbarkeit dessen, worin Europa vor der Beredsamkeit und Aussagekraft des Islams Zuflucht gesucht hat, sich gezwungen sah, ausschließlich auf den „Schein“ zu setzen, sprich: sich zu zivilisieren. Wenn Wolf Lepenies in seiner anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels gehaltenen Dankesrede sagt: „Die Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahre 1453 macht den dummen Muselman zum Mit-Urheber von Renaissance und Aufklärung – ein Skandal, für das europäische Selbstbewusstsein ein Stolperstein“, dann kann das nur als ein Zeichen dafür genommen werden, was ihm als unentbehrlich gilt. Es kann nicht verwundern, dass die, für die der Islam sich einzig in der Komposition „islamische Zivilisation“ ertragen lässt, im „Türken“ nichts vorfinden werden, was ihrem Dünkel schmeichelt.

 

Das bedarf näherer Erläuterung: Civilisation verdankt sich zu einem Großteil den hierarchischen Strukturen des urbanen Raumes und seinem suburbanen Hinterland – was der Entwicklung von kapitalistischen Zentrum-Peripherie-Strukturen erheblichen Nährboden geliefert hat. (Zivilisation bedingt Akkulturation, Kapitalismus Akkumulation.) Die im Westteil des römischen Imperiums ins Leben gerufenen städtischen Siedlungen, auf denen sich die römische Herrschaft stützte, das urbane Gefüge der civitates, kam den Europäern hierfür erheblich zustatten. Die civitas – das war der Ort, an dem die Menschen nichts anderes miteinander verband als die eigens hierfür erlassenen gesetzlichen Bestimmungen. Civis – so hießen die Bewohner dieser Orte, die auf nichts anderes – sie miteinander Verbindendes – Wert legten als die sie auf gegenseitiges Nutznießertum abstellenden Gesetze. Hier wurden jegliche Geschäfte per curia administriert. Denn: Der römische Bürger, der Städter, ging im Grunde daraus hervor, dass die Römer mit der Volksgruppe, von der die größte Gefahr für sie ausging, ein den „römischen Bürger“ konstituierendes Bündnis eingingen, sich darauf berufend, dass sie alle im selben Boot saßen. Es war aus dem Zweckbündnis dieser beiden Gruppen, woraus die curia hervorging: die co-viria, die Zusammenkunft der Männer, die die Geschäfte administrierte. Hieraus entwickelte sich die Bezeichnung „Quiriten“ für das römische Volk, und das lateinische Wort für die Quiriten war cives, woraus sich allmählich civitas (city), civis (citizen)… und schließlich civilisation ableitete.

 

Wir müssen das (Be)Trügerische des Ausdrucks, dass wir alle „im selben Boot sitzen“, durchschauen können. Das ist das Gleichnis derer, denen nichts auf den Magen schlägt, denen man aber sehr wohl auf der Tasche liegen kann. Bedenken wir, dass es im Grunde das, was uns wie Blei im Magen liegt, ist, was zwei Menschen zusammenführt. Die Insassen der Arche Noahs vereint nicht, im selben Boot Zuflucht vor der sich anbahnenden Katastrophe gefunden zu haben, sondern dass sie das wahre Unheil darin sahen, Gottes Worten keine Beachtung geschenkt zu haben. Diejenigen, die sich selbst ausgebootet haben, vereint nichts, trennt hingegen, dass sie auf ihre gemeinsamen Interessen nicht verzichten konnten. Ein gemeinsames europäisches oder globales Boot, in dem wir alle sitzen, gibt es daher nicht, wohl aber welche, die darum bemüht sind, mit ihren Profit-Kähnen nicht in gefährliche Fahrwasser abzudriften oder in seichte Gewässer zu geraten. Was Europa „zivilisiert“ hat, sind die Interessen derer, die es zu verhindern wussten, dass durch Europa der Ruf Gottes ergeht, was bedingte, dass die Menschen anhand des Argumentes des geringeren Übels ihrer Fähigkeit beraubt wurden, über das eigene Wohl und Übel nachzudenken; ganz zu schweigen von ihrem Vermögen, darüber zu entscheiden. Wer kennt heute noch den in der DDR weithin geläufigen Ausdruck „Privat geht vor Katastrophe“? Wann immer man glaubte, damit dem Kollektiv zu dienen, tröstete man sich in der DDR über alles, was man sich gezwungen sah, in Kauf zu nehmen, damit, dass es das geringere Übel ausmachte. Im „Westen“ konnte man niemanden davon überzeugen, etwas im Namen aller in Kauf zu nehmen. Das geringere Übel war hier schon immer das Auflösende schlechthin, als Trost dafür, vom Schlimmeren verschont geblieben zu sein. Will man nicht, so heißt es, dass einen das Übel in persona einholt, was sich inkognito unter „deutsche Kultur“ verdingt, gebieten es gemeinsame Interessen, sich des geringeren Übels anzunehmen. Doch solange „deutsche Kultur“ etwas bezeichnet, von dem man nichts anderes erwarten kann, als einem „Western Normality“ zu suggerieren, wird man an dieser Kröte auch künftig noch schwer zu schlucken haben.

Zur Kontaktaufnahme:

14 + 13 =

Wer braucht den Terror? Wer fürchtet den Terror?

Kein Tag vergeht, an dem Muslime sich nicht dazu veranlasst sehen, per „islamistischem Terror“ erregten Gemütern mit pazifizierenden Worten und Handlungen besänftigend zuzureden. Wer’s sich nicht verkneifen kann, dem gilt es als Gebot der Stunde, einen jeden dieser Anlässe wahrzunehmen und sich vom Extremfall islamistischer wie auch jeder anderen Couleur jenseits von Gut und Böse abzusetzen. Gilt ihnen der Islam doch nicht nur als die friedliebende Religion schlechthin, sondern zugleich der an das Friedenstiftende im Menschen appellierende Glaube überhaupt.

 

Wir gehen davon aus, dass es Ohren gibt, die bereit sind, das offenkundig Unversöhnliche aus dieser Annahme herauszuhören: Eine die Frage der Anpassungsfähigkeit des Islam aufwerfende Annäherungsweise hieße das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wenn Peter Sloterdijk behauptet, dass „sich mit dem Islam keine authentische Zivilgesellschaft führen lässt“, dann ist die Authentizität das Kind und die Zivilgesellschaft das Badewasser. Ein Mensch, der eher von etwas lebt als ein Leben, buhlt in dem Maße, in dem er seine rechtfertigende Eigenschaft kultiviert, um dessen Gunst. Das erklärt, warum wir davon ausgehen müssen, dass diejenigen, die sich als die Opfer der Anschläge ausgeben und die Täter, am selben Strang ziehen. Denn der einzige Schaden, den man unter gegebenen Umständen geltend machen kann, ist der, den man im Namen der Anpassungsfähigkeit erleiden kann. Warum kann die Entscheidung, für den verstorbenen „Einheitskanzler“ Helmut Kohl keinen deutschen Staatsakt zu veranstalten, nicht als Ausdruck einer gemeinschaftsbildenden Politik gewertet werden? Weil man sich davon, im Namen der „Uneigentlichkeit namens EU“ einen europäischen Trauerakt zu veranlassen, etwas versprochen hat.

 

Islam – das ist das, was heute niemand, um ihn in Verruf zu bringen, frontal bzw. en face zu attackieren vermag. Man setzt eher auf Lächerlichmachung der Muslime. Keiner, der zum Angriff auf den Islam ansetzt, kann und will es sich leisten, sich nicht vorher abzusichern und zu unterscheiden zwischen einer akut toxischen Spielart und einer mit dem Prädikat „wertvoll“ bedachten. Fehlt es unter AfDlern nicht an Stimmen, die immer wieder eindringlich darauf hinweisen, dass der Islam nur „en bloc“ angenommen oder abgelehnt werden kann, so spricht aus ihnen eher ihr um Ausgleich bemühter Übereifer angesichts ihrer Blößen, die sie sich zu geben glauben. Falls sich niemand, ohne sich hinter Vorwänden zu verschanzen, gegen den Islam zu stellen wagt, dann liegt das daran, dass der Islam den nach außen gekehrten Aspekt unserer Persönlichkeit betrifft, das, worauf wir vertrauen, die Frage, inwieweit wir uns zum Organ äußerer Notwendigkeiten machen, während der Terror den Aspekt unserer Persönlichkeit betrifft, der uns auf uns zurückwirft, das ist: der Aspekt, der uns dazu anhält, uns bewusst zu werden, was es verdient, unserem Leben als Garant zu dienen.

 

Vor allen Dingen gilt es das Auge zu schärfen, dafür, dass der Islam eine „europäische“ Angelegenheit ist. Ist der Islam eine „moderne“ Religion, dann nur in dem Sinne, dass er uns darüber belehrt, wovon Europäer sich nicht bewahren konnten, um zum sprichwörtlichen White Man’s Burden zu werden. Es ist der europäische Widerwille, mit dem Islam zu liebäugeln, oder die Leistung Europas, eine eventuelle Sympathie mit ihm gewinnbringend vereitelt zu haben, was sich als eine europäische Schicksalsgemeinschaft niedergeschlagen hat. Darin, dass der Islam weder eine „Religion“ noch ein „Glaube“ ist, finden wir den Erklärungsansatz hierfür. Keine Frage – die Moderne verdankt sich eher mit Erfolg zwischen Europa und der Religion (und dem Glauben) eingeschoben zu haben, doch hat dieses Dazwischenfunken in Form von Fortschrittsglauben und der „Tyrannei der Massen“ keineswegs zu einer sich seiner selbst bewussten Religion (oder Glauben) geführt.

 

„Der Mensch ist die Krone der Schöpfung.“ Nur in einem Sinne kann dieser Satz zutreffen, indes nicht im aristotelischen, in einem dem Menschen freie Hand lassenden, ihm den Rücken freihaltenden Sinne. Es ist die Schöpfung des Menschen, was uns erlaubt, die der Schöpfung ihre Würde verleihende Gottesknechtschaft ins Spiel zu bringen. Denn einzig und allein der Mensch ist dazu disponiert, dem Ruf Gottes zur Knechtschaft nicht zu folgen. Die Frage ist nämlich, ob sein Leben dem huldigt oder hohnspricht. Diejenigen, die nicht bereit waren, Gottes Ruf „in Gehorsam“ zu folgen (denn: huldigt er dem Ruf nicht, so folgt er ihm „wider Willen“), mussten nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels 586 v. Chr. durch die Babylonier „Schwerter zu Pflugscharen“ umfunktionieren: die Religion ihrer unterscheidenden und trennenden Funktion berauben. (Nämlich: die Frage, was des Menschen würdig ist und was nicht, unter den Tisch fallen lassen) So wurde mit dem Aufkommen des Christentums der Islam, sprich: Gottergebenheit, immer mehr zur Bindung an bestimmte Dogmen als Zeichen der Religiosität, ohne dass die Bindung an diese ein Vertrauen in die Allmacht Gottes implizierte, und damit, was ein gottergebenes Leben ausmacht, nicht im Geringsten zu tun hatte. Ohne den „Glauben“ zu etwas zu machen, was Menschen dazu brachte, zu wähnen, Berge versetzen zu können, hätte die Moderne es ferner nicht vermocht, dass die Menschen eher auf das Resultat blickten als auf das, worauf sie, unabhängig von dem, was die Ereignisse zeitigten, nicht verzichten konnten. Somit war der Weg versperrt, dass „Glaube“ als etwas fungierte, das uns von unserem Dünkel befreit. Gerade indem er zu etwas verkam, was an dem Punkt durchzugreifen vorgibt, an dem das menschliche Erkenntnisvermögen an seine Grenzen stößt, wurde er zum Vorwand menschlichen Dünkels.

 

Halten wir nochmals fest: Der Islam ist keine Religion, er stellt uns nicht das zu absolvierende Pflichtpensum bereit, an das wir uns zu halten haben, um, mehr schlecht als recht, in den Kreis der Muslime aufgenommen zu werden. Nicht sein Vermögen, seine Urteilsfähigkeit aufs Abstellgleis zu legen, macht einen Menschen zum Muslim, sondern das volle Bewusstsein seiner Obliegenheiten als Knecht Gottes, der Obliegenheiten, die er aus der Verinnerlichung der uns aus den Fängen der Koordinaten des Diesseits befreienden göttlichen Gebote und Verbote ableitet. Genauso wenig ist der Islam ein Glaube, ein uns über die Runden verhelfendes, zur Erbauung dienendes Regelwerk aus Stimulanzien. Impliziert der Islam als Religion das Vertrauen in die Allmacht Gottes, so gibt uns der Glaube die Bedingungen, unter denen wir von einem legitimen, d. i. dünkelhemmenden Gottvertrauen ausgehen können.

 

Auf den ersten Blick scheint die Rechnung einfach: Wenn a) Gewalt als Mittel des Sich-Durchsetzens verwerflich ist, und b) eine Religion davon lebt, dass ihr die Proselyten nicht ausgehen, darf man fragen, inwieweit der islamische Glaube seine Anhänger empfänglich macht für die Anwendung von Gewalt. Doch kann sie nicht aufgehen, die Rechnung; nicht, weil der Islam weder eine Religion noch ein Glaube sein kann. Mehr noch oder vielmehr: Wenn es etwas Verwerfliches gibt, dann den Menschen vor vollendete Tatsachen zu stellen, ohne ihm Gelegenheit zu geben, sich darüber klar zu werden, worauf er sich anlässlich dieser im Grunde einlässt. Also müssen wir Folgendes bedenken:

 

1. Nur unter der Bedingung, dass das Einzige, worauf wir nicht bereit sind zu verzichten, das ist, was uns hilft, uns das Leben zu erleichtern, ihn angenehmer zu gestalten, zeitigt der „Terror-Diskurs“ überhaupt eine Wirkung.

2. Dass die Frage, auf welche Wertschätzung ein des Menschen würdiges Leben beruht, der Fähigkeit des Menschen, „eingeschüchtert“ zu werden, das heißt an seine Grenzen erinnert zu werden, einiges verdankt, ist nicht von der Hand zu weisen. Der Mensch wird immer eines Besseren belehrt.

3. Die einzige heute gängige legitime Einschüchterungstaktik ist die sowohl von unserer Unwilligkeit (1) wie auch Unfähigkeit (2) den größten Nutzen ziehende, die darauf baut, dass wir uns vom Gefühl leiten lassen, dass wir, sobald sich die Frage unserer bemächtigt, welche Grenzen uns gesetzt sind, zu kurz kommen oder ins Hintertreffen geraten.

 

Wer braucht den Terror? Diejenigen, die eine Heidenangst vor dem Terror haben. Wenn der Religion heute jeglicher Boden entzogen wurde, ihn als etwas Unterscheidendes zu verstehen zwischen einem Leben, das in Rechnung stellt, dass wir, über kurz oder lang, den Löffel abgeben werden und einem Leben, das in Rechnung stellt, dass wir, über kurz oder lang, zur Rechenschaft gezogen werden, dann liegt das im Sinne derer, die, nachdem sie mit dem Judentum alles Leben ins Diesseits verbannt haben, um anschließend mit dem Christentum die Vorstellung vom Jenseits ad absurdum zu führen, weil ein verantwortbares Leben im Diesseits nicht mehr möglich ist, nun alles daran setzen, aus der Botschaft des Koran einen Aufruf zum Brückenschlag zu machen, damit sie um ihre mit den Kreuzzügen verloren geglaubten und dank westlicher Zivilisation aus dem Feuer geholten Vorrechte nicht mehr zu fürchten brauchen. Islam – das ist, aufzuhören, mit seinem Schicksal zu hadern. Eine Friedenstaube steigen zu lassen im Namen des Islam, während diejenigen, die mit ihrem Schicksal hadern, weil ihnen vor dem „Terror ihres Schicksals“ bange ist, damit die Vorrechte an ihren Profiten sichern, das ist das eigentlich Unversöhnliche. Doch Torschlusspanik schützt vorm Schicksalsschlag nicht. Zwar vermag der Mensch Gottes Ruf nicht zu folgen, doch niemand vermag je zu verhindern, dass die Ereignisse sich in einer Weise entfalten, dass es uns nie verborgen bleiben kann, was einzig und allein unser unbedingtes Vertrauen verdient.

Zur Kontaktaufnahme:

3 + 12 =