Der Befreiungsschlag gottesfürchtiger Deutscher: Der Islam

Wer könnte abstreiten, dass uns das Leben eine Reife stiftende Begeisterung nicht abzuverlangen vermag, indes eine des Liebens wie auch Hassens unfähige Ambitionsfähigkeit voraussetzt. Wie wir ihn auch benennen – während die Übermacht eines sich auf den ganzen Globus erstreckenden Etwas nicht zu leugnen ist, läuft diese keinesfalls auf die Überlegenheit von (uns die Augen öffnenden) Werten welcher Art auch immer hinaus. Um das zu gewahren, braucht’s nicht tiefschürfender Reflexionen, sondern Achtsamkeit in Bezug auf das, worin wir Erwartungen welcher Art stecken. Die Anspruchslosigkeit der Zustände geht bezeichnenderweise Hand in Hand mit der Gleichgültigkeit, mit der ihnen begegnet wird, und an der sie sich mästen. Der Fortbestand der Umstände profitiert von unserer Bereitwilligkeit, uns gehen zu lassen, keinen Zwang anzutun. So mögen wir Gefallen an einem Werk künstlerischen Schaffens finden; zumal es dazu beiträgt, das Gefühl unserer Unfertigkeit als Mensch in uns wachzuhalten. Doch nur insofern bei einem von anderen Menschenleben strikt getrennt gehaltenen Leben überhaupt noch von Wesentlichkeiten die Rede sein kann, erfüllte es seinen Sinn.

Da gerät ein Multimillionär eines Landes an die Spitze seines aus weiteren Multimillionären bestehenden Kabinetts, und es ist unmöglich, hieran Anstoß zu nehmen, ohne sich zugleich zum Verfechter der Beiläufigkeit namens American Way of Life zu machen. Da werden irgendwelche Schattengestalten als Blickfänger der Sorte Selbstmordattentäter vor die Objektive geschickt; doch ohne Verkennung der Lächerlichmachung der dem Abendland zugeschriebenen Werte auf der ganzen Linie seitens dieser Beiläufigkeit verfehlte die Inszenierung ihre Wirkung zur Gänze. Blindheit kommt selten allein. Wollen wir nicht, dass unser Leben zu einer Knechtschaft aus freien Stücken verkommt, sollten wir uns fragen, ob die Bedingungen, unter denen die gegenwärtigen Umstände Bestand haben, eher die Voraussetzungen unserer geistigen Höhe oder die unserer Dürftigkeit ausmachen. Zeugt doch der Ausdruck des “benevolent hegemony” wie vordem der des “benign empire” eher von einem bittstellerisch daherkommenden intellektuellen Elend.

Ein European Way of Life existiert nicht; hat es nie gegeben. Wieso – ist der Frage wert. Was als Moderne auf dem europäischen Festland aufgekommen ist, um Europa zu einem Kontinent zusammenzuschweißen, kann nicht die europäische Spielart von Etwas sein. Ob’s das christlich-jüdische oder griechisch-römische Erbe ist – nichts was als ein Element der ersten Stunde ausgegeben wird, gewinnt für Europa seine Bedeutung als ein Referenzpunkt. Es ist vielmehr der Strohhalm, nach dem der Sinkende greift, von dem die Rede sein kann. Doch falls wir davon ausgehen können, dass das Abendland für etwas steht, unter dessen effizienterer, wenn auch risikobehafteterer, amerikanischer Variante wir heute leben, in dem die „Ineffizienz“ europäischer Kultur eine „Korrektur“ erfährt, dann sollten wir uns hiervon Aufschluss darüber versprechen können, worauf die gegenwärtigen Umstände angewiesen sind: nämlich den anhaltenden Ausschluss von nicht Zweckdienlichem. Doch wer sind „wir“? Kann man überhaupt von einem „Wir-Gefühl“ ausgehen, auf das sich unsere Überlegungen stützen können?

Zunächst gilt es zu klären, in und mit welcher Bereitschaft ich schreibe – was über die Bedingungen des „Wir“ entscheidet, darüber, unter welchem Anspruch das „Ich“ zu einem Individuum wird. Das „Ich“ drückt immer eine Bereitschaft aus. Was ist es, das meine Verlässlichkeit ausmacht und mich, uns statuierend, auf die Probe stellt? Hier sind wir vor Beliebigkeiten gefeit. Sage ich „Ich bin ein Türke“, dann um das Objekt des in mich gesteckten Vertrauens zu spezifizieren. Das, was sich der „Türke“ historisch verdankt, was er auf sich zu nehmen gewillt ist, ist die Verlässlichkeit, sich nicht der Ordnungskraft der Ereignisse zu überantworten; sich von einem den modernen Umständen adaptierten Islam nichts Geringeres zu versprechen als Verderbnis – sprich den Umständen, die ihre Überzeugungskraft von Anbeginn an ihrer Schmackhaftigkeit verdanken. Doch nehmen wir, wenn wir vom Türken sprechen, überhaupt noch Bezug auf eine gemeinschaftliche Entität? Genau da liegt nämlich der Hund begraben!

Die Annahme, dass zum ersten Mal in der nun fast hundertjährigen Geschichte der türkischen Republik die „Islamisten“ die Regierung stellen und eine Islamisierung (will heißen: eine Gleichschaltung) vorantreiben, ist ein Teil der Mise en Scène derjenigen, die darauf angewiesen sind, im Trüben zu fischen. Im Trüben fischen heißt: von den Früchten der Unumstößlichkeit ausgewiesenen Bedingungen eines freiwilligen Hegemoniedaseins unter Voraussetzungen der absoluten Profitpriorität zu leben und dann auszurufen: C’est la vie! Zu keiner Zeit seit den Kreuzzügen ist auf türkischem Boden der Islam ein die Geschehnisse dermaßen wenig antreibender und doch ausschließlich erklärender Faktor gewesen. Wohlgemerkt: Eine Regierung, die imstande gewesen wäre, zwischen eigenen und den Kapitalinteressen einen Unterschied zu machen, hätte gewiss die Ereignisse nicht begünstigt, die dazu bestimmt waren, die türkischen Landesgrenzen poröser zu machen, sondern sie entschieden gefestigt. Und solange die Regierungen europäischer Staaten sich darin hervortun, ihr eigenes Kapital hieraus zu schlagen, wird ihnen, um es nicht postwendend an der Wahlurne quittiert zu bekommen, auch künftighin nichts anderes übrigbleiben als Abkommen mit der Türkei abzuschließen und unentwegt auf deren Einhaltung zu pochen (stets unter Bedingungen eines freiwilligen Hegemoniedaseins – versteht sich). Terror zu fabrizieren, so als könnte man von – den Menschen Sicherheit vermittelnden – Bedingungen sprechen und von einem erschütterbaren Vertrauen in sie, dürfte nicht genügen, um den Menschen das Gefühl zu geben, sie hätten allerhand zu verlieren.

Hier sind wir an einem den Nerv treffenden Punkt. Als beflissentlicher Alibi-Beschaffer und einträglicher Vorwand-Lieferer der westlichen Zivilisation hängt Deutschlands Los wie keines zweiten Landes an seiner Nähe zum Islam. Eine Zivilisation, die angetreten ist, um die „türkische Lösung“ auszuschließen, kann sich heute rühmen, die Umstände dafür arrangiert zu haben, Ungereimtheiten dadurch bereinigen zu können, nach Bedarf auszurufen, die Deutschen seien auch nicht besser. Welche Bande stärkt der Islam; welche schwächt er? Nur in dem Maße, in dem der Deutsche dies erkennt, wird er in der Lage sein, zu gewahren, welchen Bären man ihm aufgebunden hat.

Deutscher Muslim – das ist, sich bewusst zu sein, mit welchem Schlag man sich in Deutschland aus welchen Zwängen befreit.

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Ein Verein, noch dazu für deutsch schreibende Muslime. Hieße das nicht, sich eine dreifache Blöße zu geben?

Denn wer schreibt, weckt Erwartungen. Entweder ist er des nachhaltigen Eindruck-Schindens fähig oder seine Worte werden als dozierendes Gehabe abgetan.

Wer dann noch deutsch schreibt, täte gut daran, sich bewusst zu machen, in einer Sprache zur Feder zu greifen, in der man eher damit rechnen muss, dass einem auf die Finger geschaut wird; und dies gewiss nicht in empfänglicher Disposition.

Und wer schließlich beabsichtigt, sich als Muslim schriftlich kundzutun, schreibt als ein eindringlicher Versicherer, wenn nicht mit dem Stigma der Unbelehrbarkeit. Ob er sich hierauf einlässt, sei dahingestellt.

Doch so einfach liegen die Dinge nicht.

Zuerst die ausschlaggebende und alles entscheidende Frage: Wem liegt noch etwas daran, in Erfahrung zu bringen, wie die Lage zu erklären ist? Und wie kann einer, der sich um diese Frage nicht schert, noch sicher gehen, sich nicht zum Nassauer der erklärungsbedürftigen Lage zu machen?

Wie man die Lage auch deuten mag; wir leben in einer Welt, die sich genötigt sah, um aus dem Schatten ihres – sich ab dem 12. Jahrhundert abzeichnenden – Fatums treten zu können, den Menschen zu seines eigenen Glückes Schmied zu erklären. Der Schatten hatte einen Namen: die türkische Existenz, die sich leicht auf den Begriff bringen lässt: Ein Leben, das nicht durch sein Auftreten besticht, sondern das, wofür es steht – in dessen Halbdunkel das Abendland gezwungen war, bis ins 16. Jahrhundert hinein ein Schattendasein zu führen. Eine namentlich die türkische Existenz negierende Welt ist hieraus entstanden, in der einzig und allein das Fahrrad-Prinzip gilt: Wer nicht in die Pedale tritt, fällt um.

Zwei große Kriege waren vonnöten, damit sicher gestellt war, dass die Menschheit nicht stehen blieb und zu Fall kam. Während der erste die Menschheit in Selbstzweifel und -zerfleischungen ungeheuren Ausmaßes stürzte, verpasste der zweite ihr schließlich ein dickes Fell; trotz des unter dem dicken Fell immer müheloser durchscheinenden Gefühls, dass dem heutigen Leben im Grunde nichts Lebenswertes abzugewinnen ist. Seither atmet die Menschheit eine anti-europäische Luft von Verteidigungs-Unwertem und -Unwürdigem, Luft jeglicher Dissolution – Amerikanismus genannt.

Diese den Menschen keine andere Wahl als die zwischen Cholera und Pest gestattende Luft trägt stets dafür Sorge, dass die Menschen, sobald sie Anstalten machen, grundlegenderen Fragen nachzugehen, das Gefühl beschleicht, zwischen Hammer und Amboss zu geraten – Extremismus und goldene Mitte genannt. So war es in den sogenannten kalten Kriegsjahren stets eine gemäßigte Linke, die gegen eine „lunatische“ ausgespielt wurde; oder die Hüter des gesunden Menschenverstandes, die gegen die ungestümen Aktivisten zu Felde zogen. Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks hingegen gilt es die freiheitlich-demokratische und marktwirtschaftliche Ordnung gegen eine vermeintliche „Achse des Bösen“ in Schutz zu nehmen.

„Bomber Harris, do it again! Fight the axis of evil: Berlin-Baghdad.“

Das ist nicht nur ein zugkräftiger Slogan der Antideutschen Kommunisten. Lässt man doch immer wieder durchblicken, dass eine „extremistische Lösung“ stets ausgeschlossen bleiben müsse – schlage sie links, rechts oder sonstwie extrem aus.

Doch: eine Achse des Bösen existiert nicht, wohl aber ein omnipräsenter Terror des glokalisierten Großkapitals, in dessen Interesse es zu liegen scheint, nicht nur eine Verquickung des Faschismus mit dem Islam zu fingieren; dessen ständige Sorge es ist, dass Menschen trotz allem nach Aufopferungsbereitschaft Verlangendem fragen; und dessen dringliches Anliegen es ist, dass die Unverhandelbarkeit namens Türkentum völlig eliminiert wird.

Uns darüber im Klaren, dass es sich bei diesen Gegenüber- wie auch Nebeneinanderstellungen um bewusst ins Gefecht geführte Scheingegensätze und Pseudoverwandtschaften handelt, die die Menschen lediglich dazu disponieren soll, Verteidigungs-Unwertes und -Unwürdiges hinzunehmen, schreiben wir mit einem dreifachen Bewusstsein, nicht mit einer dreifachen Blöße.

Erstens: Wir schreiben mit dem Bewusstsein, dass das Schreiben unauflöslich mit dem Gedanken des Essentiellen verbunden sein muss. Ohne ein Gefühl für das Wesentliche ist einem das Schreiben nur ein weiteres Steckenpferd.

Zweitens: Wir sind uns dessen bewusst, in einer Sprache zur Feder zu greifen, die als die „Sprache des Versprechens“ schlechthin gelten muss; ihre Bedeutung wie auch Brisanz liegt erst hierin.

Und drittens: Wir schreiben mit dem Bewusstsein, dass der Islam, mit dem das Abendland sich durch diejenigen bedrängt sah, die sie Türken hieß, die conditio sine qua non für ein Verständnis der modernen Geschichte ist; in dem Maße, in dem noch ein Bedürfnis danach besteht, das Kind beim Namen zu nennen.

Gewiss sprechen diese Zeilen nicht für sich, sie geben mehr vor, als dass sie erbringen, bleiben mehr schuldig, als dass sie begleichen. Folgten ihnen keine einschlägigen Ausführungen, wären sie nicht der weiteren Beachtung wert. Dem gegenzuhalten, nehmen wir uns vor. Gleichwohl sind diese Zeilen aber auch als ein Ruf zu verstehen, die an diejenigen ergeht, die sich bereit erklärten, nicht zu einem abwiegelnden, sondern im Islam den Reichtum an sich erblickenden Tonfall einen schriftlichen Beitrag zu leisten. Dass hieraus Wahlverwandtschaften erwachsen, erhoffen wir uns.

Wir schreiben, um zu jenen zählen zu können, die ihren Wert ausschließlich darin suchen, der Adressat göttlichen Wortes zu sein.

 

Deutsch Schreibende Muslime